Hüft- und Knieprothese: Wie Sie sich richtig vorbereiten

Wissen · Dr. Martin Faschingbauer ·

Die optimale Operationsvorbereitung auf eine Hüft- und Knieprothese.

Der Weg zur Hüft- und Knieprothese ist für viele Patientinnen und Patienten ein bedeutender Schritt, der fast immer von demselben Ziel geleitet wird: dem Wunsch nach schmerzfreier Bewegung und zurückgewonnener Lebensqualität. Sind konservative Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft, stellt eine Hüft- und Knieprothese in vielen Fällen die effektivste Option dar, um wieder zu mehr Lebensqualität im Alltag zurückzufinden. Entscheidend für ein optimales Ergebnis ist jedoch nicht allein der chirurgische Eingriff, sondern maßgeblich die Vorbereitung im Vorfeld. Eine gezielte Prähabilitation auf die Hüft- und Knieprothese kann den Heilungsverlauf maßgeblich beeinflussen und die Rückkehr in den Alltag zudem deutlich erleichtern. In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen, worauf es bei der Operationsvorbereitung wirklich ankommt und wie Sie aktiv dazu beitragen, den Eingriff bestmöglich zu unterstützen.

Warum die Vorbereitung auf eine Hüft- und Knieprothese so viel ausmacht

In meiner täglichen Praxis sehe ich einen deutlichen Unterschied im Heilungsverlauf meiner Patientinnen und Patienten. Wer aktiv und gestärkt zur Hüft- und Knieprothese antritt, verlässt das Krankenhaus schneller und mit mehr Sicherheit. Wir sprechen hier von der sogenannten Prähabilitation. Das Ziel ist es, Ihr körperliches Level vor dem Eingriff so weit wie möglich anzuheben, damit der Körper die Belastung der Operation besser kompensiert. Eine strukturierte Operationsvorbereitung kann Komplikationen reduzieren, die Mobilisation beschleunigen und die langfristige Funktion verbessern. Studien bestätigen meine Erfahrung: Patientinnen und Patienten, die ein strukturiertes Prähabilitationsprogramm absolvieren, werden nach einer Hüftoperation oder Knieoperation schneller, benötigen weniger Schmerzmittel und entwickeln seltener Komplikationen.
Idealer Zeitraum: vier bis sechs Wochen vor der geplanten Operation.
Eine Hüft- und Knieprothese ist heute ein hochmoderner Standardeingriff, doch die biologische Heilung braucht Energie und eine stabile Muskulatur.

Prähabilitation vor dem Einsatz eines Gelenkersatzes

Ob bei einer Hüftoperation oder einer Knieoperation – die Prähabilitation setzt an drei Punkten an: Kraft, Koordination und Stoffwechsel. 

Muskeltraining als Fundament der Operationsvorbereitung

Starke Muskeln rund um das betroffene Gelenk sind das wichtigste Kapital für eine gute Heilung, denn das neue Gelenk braucht eine aktive muskuläre Führung. Je besser diese bereits vor dem Eingriff ausgebildet ist, desto stabiler und koordinierter läuft die Rehabilitation ab.

Empfehlenswerte Übungen (immer in Rücksprache mit mir oder Ihrer Physiotherapeutin):

  • Kräftigung des Quadrizeps (z. B. isometrische Anspannungsübungen, vorsichtige Kniebeugen im schmerzfreien Bereich)
  • Aktivierung der Hüftabduktoren und Gesäßmuskulatur (z.B. seitliches Beinheben, Beckenheben, Muschelbewegung)
  • Gangschule und Gleichgewichtstraining
  • Sanfte Ausdauereinheiten wie Schwimmen oder Radfahren (gelenkschonend)

Wichtig: Überlasten Sie das bereits geschädigte Gelenk nicht. Die Prähabilitation soll stärken, nicht reizen. Was für Sie konkret sinnvoll ist, besprechen wir gemeinsam in der Ordination.

Koordination und Hilfsmittelschulung

Zur Operationsvorbereitung gehört auch das "Trockentraining". Ich empfehle meinen Patienten oft, sich bereits vor der Hüft- und Knieprothese Unterarmstützen zu besorgen und das Gehen sowie Treppensteigen zu üben. Wenn Sie die Technik bereits beherrschen, reduziert das den Stress am ersten Tag nach der Knieoperation massiv.

Körpergewicht und Ernährung: Unterschätzter Einfluss auf Hüft- und Knieprothese

Übergewicht belastet nicht nur das erkrankte Gelenk vor der Operation, es erhöht auch das Komplikationsrisiko beim Eingriff selbst und verlängert die Heilungszeit. Für die Prähabilitation vor einer Hüft- und Knieprothese empfehle ich daher, in den Wochen vor der Operation besonders auf eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung zu achten.

Eiweiß ist der Baustoff für Muskeln und Wundheilung. Wer sich in der Operationsvorbereitung ausreichend mit hochwertigem Protein versorgt, schützt aktiv die Muskulatur und unterstützt den Heilungsprozess. Auch Mikronährstoffe wie Vitamin D, Kalzium und Eisen spielen eine Rolle (Die Abklärung über einen Mangel im Blutbild vor der OP ist empfehlenswert.)

Spezifische Vorbereitung auf die Hüftprothese: Sicherheit für den Beckenbereich

Bei der Vorbereitung auf die Hüftprothese liegt unser Hauptaugenmerk auf der Stabilität des Beckengürtels. Die Hüfte ist das Zentrum unserer Statik. Eine Hüftoperation ist heute dank minimalinvasiver, muskelschonender OP-Techniken (wie dem schräg-vorderen Zugang) ein sehr sicherer Eingriff, doch die umliegende Muskulatur muss das neue Gelenk sofort "übernehmen".
In der Operationsvorbereitung konzentrieren wir uns daher besonders auf die sogenannten Abduktoren. Diese seitlichen Gesäßmuskeln verhindern, dass Ihr Becken beim Gehen absinkt. Ein gezieltes Training dieser Gruppe im Rahmen der Prähabilitation sorgt dafür, dass Sie nach der Hüftoperation schneller ein sicheres Gangbild ohne das typische "Hinken" entwickeln. Außerdem ist es ratsam, bereits vorab die Beweglichkeit des unteren Rückens zu fördern, da eine steife Lendenwirbelsäule die Belastung auf die neue Hüft- und Knieprothese erhöhen kann.
Mein Ziel für Sie: Ein stabiles Becken als Fundament für Ihren ersten schmerzfreien Schritt.

Spezifische Vorbereitung auf die Knieprothese: Beweglichkeit erhalten

Die Vorbereitung auf die Knieprothese unterscheidet sich funktionell deutlich von der Hüfte. Beim Knie ist die größte Herausforderung oft die präoperative Einsteifung. Für das Ergebnis Ihrer Knieoperation ist Ihre Beweglichkeit vor dem Eingriff dementsprechend die wichtigste Basis. Das Prinzip ist einfach: Je besser Sie Ihr Knie vorab beugen und strecken können, desto schneller und leichter erreichen Sie nach der Hüft- und Knieprothese wieder den vollen Bewegungsumfang.
Ein zentraler Aspekt in der Vorbereitung auf die Knieprothese ist die Kräftigung des Oberschenkelstreckers (Quadrizeps). Dieser Muskel neigt bei Knieschmerzen dazu, sich sehr schnell abzubauen (Atrophie). In der Prähabilitation arbeiten wir daher gezielt gegen diesen Muskelschwund an. Zudem spielt die Schwellungskontrolle eine Rolle: Ein "ruhiges", weniger entzündetes Gelenk geht mit besseren Voraussetzungen in die Knieoperation. Wir nutzen hier gezielte physiotherapeutische Übungen, um den Reizzustand zu minimieren.

Checkliste für Ihre Operationsvorbereitung zu Hause

Um Ihnen den Übergang nach der Hüftoperation oder Knieoperation so leicht wie möglich zu machen, sollten Sie Ihr Umfeld vorbereiten:

  • Sichere Wohnumgebung schaffen: Lose Teppiche und Kabel sind Risiken nach einer Hüft- und Knieprothese.
  • Hilfsmittel organisieren: Greifzangen oder Sitzerhöhungen können in den ersten Wochen sehr hilfreich sein.
  • Unterstützung im Haushalt: Wer kauft ein? Wer bringt Sie zur ersten Kontrolle nach der Hüft- und Knieprothese?

Hüft- und Knieprothese als aktive Entscheidung

Die Wahl einer Hüft- oder Knieprothese markiert einen der bedeutsamsten Wendepunkte auf dem Weg zurück in ein aktives Leben. Ich erlebe täglich, wie Patientinnen und Patienten nach Jahren des Schmerzes durch einen gut geplanten und gut vorbereiteten Eingriff zu einem aktiven Leben zurückfinden.
Die Endoprothetik ist für mich eine der größten Erfolgsgeschichten der modernen Medizin, aber nur dann, wenn Chirurgie, Prähabilitation, Operationsvorbereitung und Nachsorge wirklich als Einheit gedacht werden. Genau das ist der Anspruch in meiner Wahlarztordination.

Haben Sie Fragen zu Ihrer bevorstehenden Hüft- und Knieprothese oder möchten Sie einen Ersttermin vereinbaren?
Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme.

Über Prof. DDr. Martin Faschingbauer MBA:

Facharzt für Orthopädie und Traumatologie in Wien. Er verbindet internationale OP-Erfahrung mit einer individuellen, patientenzentrierten Betreuung. Spezialgebiete: Minimalinvasive Hüft- und Knieendoprothetik sowie komplexe Revisionschirurgie.

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