MERYN am Montag – Hüft-OP: Dr. Faschingbauer im Interview über die wichtigsten Fragen zur Hüftprothese
Wissen · Dr. Martin Faschingbauer ·
In der Sendung MERYN am Montag durfte ich als Orthopäde und Spezialist für Hüftoperationen über ein Thema sprechen, das viele Menschen beschäftigt: Wann ist eine Hüftoperation wirklich notwendig und wann nicht?
Die Sendung MERYN am Montag – Hüft OP behandelte viele Fragen, die Patientinnen und Patienten oft erst nach langer Leidenszeit stellen. Von ersten Arthrose-Symptomen über konservative Behandlungsmöglichkeiten bis hin zur modernen Hüftprothese wurden zahlreiche Themen offen und verständlich besprochen.
Besonders wichtig war mir dabei eine Botschaft: Nicht jede Arthrose muss sofort operiert werden. Gleichzeitig sollte aber niemand dauerhaft starke Schmerzen als „normal“ akzeptieren.
ORF-Mediathek:
MERYN am Montag in der ORF ON Mediathek
(Verfügbarkeit bis 06.11.2026, 18:45 Uhr)
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>> Hier das Interview zum Nachlesen
Was wissen wir über Hüftoperationen wirklich?
Bei der ORF-Sendung MERYN am Montag vom 11.05.2026, war Hüftoperation Experte Prof. DDr. Martin Faschingbauer zu Gast, um gängige Fragen rund um das Thema zu klären. Doch bevor es in die Tiefe ging, wurde erst einmal geklärt, wie es um das Allgemeinwissen steht: Was wissen Menschen auf der Straße eigentlich über eine der häufigsten Operationen in Österreich?
Während die Befragten über metallischen Gelenkersatz, Arthrose-Folgen und die Grenzen des Trainings spekulierten, zeigte sich schnell, dass Vieles davon nur die halbe Wahrheit ist. Ein Grund mehr, warum das Interview mit Prof. DDr. Faschingbauer Klarheit in diese unsicheren Punkte bringt.
Schnell-Facts zum Thema Hüft OP aus dem Word-Rap
Bevor die Zuschauerfragen gestellt wurden, lieferte Prof. DDr. Faschingbauer in der ORF Sendung einige klare Aussagen zur Hüftprothese im Schnelldurchlauf:
- Die häufigste Ursache für Hüftschmerzen: Arthrose
- Schmerzen in der Hüfte bedeuten nicht automatisch ein künstliches Gelenk
- Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer
- Der häufigste Irrtum über künstliche Hüften: „Es hält länger, als man glaubt" – mittlerweile 80-85 % der Prothesen halten 25 bis 30 Jahre
- Wer seine Hüfte lang gesund halten möchte, sollte: auf sein Gewicht achten, sportlich aktiv bleiben und die richtigen Sportarten wählen
Die wichtigsten Zuschauerfragen zum Thema Hüftprothese und Hüft OP
Die Unsicherheit bei Patienten ist oft groß, sei es bei der Frage, ab welchem Punkt eine Hüft-OP notwendig wird, oder sobald der operative Eingriff dann tatsächlich bevorsteht. Um für Transparenz zu sorgen, räumt Dr. Faschingbauer im Folgenden mit gängigen Vorurteilen auf und beantwortet die wichtigsten Fragen der Zuschauer direkt und verständlich.
1. Mein Röntgenbild sieht sehr schlecht aus – muss ich mich operieren lassen?
Ein Zuschauer ist fast täglich mit dem Rennrad unterwegs, nimmt regelmäßig Schmerzmittel und ist damit nahezu beschwerdefrei. Sein Arzt sagt, das Röntgenbild seiner Hüfte sehe „sehr, sehr schlecht aus". Muss er sich trotzdem operieren lassen?
Prof. DDr. Faschingbauer: „Nein. Wir operieren die Menschen – nicht die Röntgenbilder."
Laut Erklärung des Experten in MERYN am Montag müssen für eine Hüft OP drei Faktoren zusammenpassen:
- Ein fortgeschrittenes Röntgenbild (nachweisbare Arthrose)
- Schmerzen und Funktionseinschränkung im Alltag
- Der Patient selbst muss das Gefühl haben, eingeschränkt zu sein
Wer trotz schlechtem Befund gut zurechtkommt, muss nicht operiert werden, solange die Schmerzmittel im vertretbaren Rahmen bleiben. Wobei hier immer von einer primären Verschleißerkrankung (Arthrose) ausgegangen wird, bei der kein Hüftkopfeinbruch droht.
2. Welche konservativen Therapien gibt es vor der Entscheidung einer OP?
Eine Zuschauerin aus dem Burgenland hat seit zwei Jahren Schmerzen in der linken Hüfte. Ihr Orthopäde rät ihr, noch zuzuwarten. Was kann sie tun?
Prof. DDr. Faschingbauer: Physiotherapie und Krafttraining rund um das Hüftgelenk sind laut großer Studienlage die wirksamsten konservativen Maßnahmen. Dazu kommen entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR), die gezielt eingesetzt werden können.
Und mit den richtigen Übungen lässt sich eine Operation durchaus hinauszögern. Vollständiges Vermeiden ist nicht immer möglich, aber ein Hinausschieben durchaus realistisch.
3. Wann muss eine Hüfte tatsächlich operiert werden? Und wann ist eine Hüftprothese notwendig?
Diese Frage beschäftigte das Publikum am meisten. Die Antwort von Prof. DDr. Faschingbauer ist klar strukturiert.
Die Hüftprothese ist dann notwendig, wenn:
- Das Röntgenbild eine fortgeschrittene Arthrose zeigt
- Der Patient im Alltag eingeschränkt ist: u.a. Schmerzen beim Gehen, beim Schuhebinden, beim Einsteigen in die Badewanne, etc.
- Soziale Aktivitäten aufgegeben werden, z.B. „Ich gehe heute nicht mit ins Konzert, weil mir die Hüfte weh tut."
Prof. DDr. Faschingbauer: „Die ältere Generation beißt mir fast zu lange die Zähne zusammen. Es soll nicht sein, dass man jeden Tag starke Schmerzen hat."
4. Hüftoperation Zugang vorne oder hinten – was ist besser?
Auch die Frage nach dem richtigen Operationszugang beschäftigte viele Zuschauerinnen und Zuschauer.
Bei der Diskussion rund um den Zugang vorne oder hinten bei einer Hüftoperation erklärte der Experte, dass weltweit weiterhin der hintere Zugang am häufigsten verwendet wird. Dieser bietet Chirurgen eine sehr gute Übersicht während der Operation.
Der vordere beziehungsweise vorne-seitliche Zugang gilt hingegen als muskelschonender und ermöglicht oft eine schnellere Mobilisation.
Vorteile des vorderen Zugangs:
- geringeres Risiko für ein Ausrenken der Hüfte
- weniger Belastung der Muskulatur
- schnellere Rehabilitation
Dennoch gebe es laut Prof. DDr. Faschingbauer keinen einzig richtigen Zugang. Entscheidend seien Erfahrung, Anatomie und individuelle Situation der Patientin oder des Patienten.
5. Hüftoperation trotz Übergewicht – ist das überhaupt möglich?
Eine Patientin mit BMI 38 berichtete, dass ihr zunächst geraten wurde, vor der Operation stark abzunehmen.
Prof. DDr. Faschingbauer: Große internationale Studien zeigen, dass Übergewicht allein einen relativ kleinen Einfluss auf das Operationsergebnis hat, wenn andere Risikofaktoren herausgerechnet werden. Eine Hüftoperation trotz Übergewicht ist also möglich.
Warum raten viele Ärzte dennoch zum Abnehmen? Weil das Risiko von Infektionen sinkt und das Langzeitergebnis der Prothese besser sein kann. Ein BMI von 38 liegt aber in einem Bereich, in dem man im Gespräch mit der Patientin sehr wohl zu einer Operation kommen kann.
6. Sport nach Hüftprothese – was ist erlaubt?
Die Frage „Was darf ich nach der Operation noch machen?“ beschäftigt fast alle Betroffenen. Besonders für Sportbegeisterte ist diese Frage entscheidend, um nach dem Eingriff wieder sicher und mit gutem Gefühl durchzustarten.
Prof. DDr. Faschingbauer: “Verboten ist mittlerweile nichts mehr. Heute ist deutlich mehr möglich als früher. Allerdings muss man wissen: Je stärker die Belastung, desto schneller kann sich eine Prothese langfristig abnutzen.”
Sport nach Einsatz einer Hüftprothese ist also heute weitgehend möglich. Selbst Joggen, Radfahren, Wandern oder ein Training im Fitnessstudio. Selbst ein Marathon ist denkbar.
6. Wie lange muss ich wirklich im Krankenhaus bleiben?
Eine Zuseherin lebt alleine und macht sich Sorgen um die Zeit nach der OP.
Prof. DDr. Faschingbauer: “Dank moderner Fast-Track-Prinzipien steht man heute bereits am Tag der Operation auf. Der Krankenhausaufenthalt dauert in der Regel 4 bis 7 Tage. Eine stationäre Rehabilitation ist bei gut verlaufenden Hüftoperationen nicht zwingend notwendig, ambulante Physiotherapie reicht oft aus. Wer dennoch in eine Reha möchte, kann das selbstverständlich beantragen.”
Wichtig für Alleinlebende: Am besten sollte man schon vor der OP klären, wer in den ersten Tagen nach Hause kommt, einkauft und erreichbar ist.
Drei Ratschläge von Dr. Faschingbauer zum Abschluss
Am Ende der Sendung MERYN am Montag – Hüft OP bat der Moderator Siegfried Meryn den Hüftoperation-Experten aus Wien um drei persönliche Tipps:
- Nichts überstürzen: Nicht jede Hüfte muss sofort operiert werden. Erst wenn alle drei Faktoren (Röntgenbild, Schmerzen/Funktionsminderung, Alltagseinschränkung) zusammenpassen, ist der Zeitpunkt richtig.
- Den richtigen Zeitpunkt finden: Zu lange abzuwarten ist genauso ein Fehler wie zu früh operieren. Lassen Sie Ihre Situation am besten direkt von einem Experten beurteilen, um Klarheit für den nächsten Schritt zu gewinnen.
- Gut vorbereitet in die OP gehen: Muskelaufbau vor der Operation (Prähabilitation), Blutzucker und Blutdruck optimieren, auf ausreichende rote Blutkörperchen achten. Wer gut vorbereitet in den Eingriff geht, erholt sich schneller und besser.
Das Interview mit Prof. DDr. Martin Faschingbauer war Teil der Sendung MERYN am Montag – der Hüftoperation Experte Dr. Faschingbauer steht Ihnen gerne für eine Beratung zur Verfügung. Einen Termin können Sie direkt hier vereinbaren:
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